Noch ohne Titel
(Malerei als Fakt – Fakt als Fiktion)

Verschiedene Blickachsen auf Vorstellungen von Realität. Wir sehen: Gegenstände, Figuren, Ärsche die wie kolorierte Kommata einen Tanz aufführen, Raoul de Keysers Baum vor seinem Atelierfenster im Jahr 2013. Blickachsen bersten wenn sie die Fläche der Bilder penetrieren: der Blick durch ein Gitter splittert sie auf, vereint verschiedene Blickwinkel zu einem Kaleidoskop abstrakter Formen, die Landschaften sind, Architekturen sein werden und einmal von Windsurfern bevölkert waren. Zoomen wir ein, flackert die Moderne als Zerrbild und grotesker Schatten im Hintergrund. Die Schatten werden in Corinnes Bildern Ideen, z.B. diese: ein Paradiesgärtlein mit Palmen, die aussehen als wären sie mit ausserordentlich schön prallen Brüsten bestückt, wohlschmeckende, gelbe Kokosnüsse die leider erst im nächsten Bild reif sein werden. Man möchte hinein laufen in diese Bildideen, den Strand entlang über die Brücke. Man findet den Weg in die Farbfelder, die Pupillen wandern die hart aneinander gestellten Farbflächen entlang, weichen vielleicht chromatischen Dissonanzen aus. Corinne Chotycki nimmt Malerei als ein Faktum – ein Faktum, das sie auf verschiedenen Wegen in Fiktionen von Architektur, Landschaft und Mensch überführt.

Jörg Baier
November 2013

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„Gibt es auf Erden ein Maß? Es gibt keines.“, 2013
exhibition view (with Jörg Baier)